PRESSE

"Poetische Schrittfolgen“
(Nordsee Zeitung – nr. 145 - Bremerhaven, 24. Juni 1995)

[...] Das Stadttheater festigt seinen jungen Ruf jetzt mit einer zusätzlichen Produktion im kleinen Haus unter dem Motto 'Junge Choreographen stellen sich vor' mit Tänzern des Ballettensembles.
Bei der Premiere wollte der Beifall des überraschenderweise nicht ganz ausverkauften Hauses keine Grenzen kennen. Vor allem das jugendliche Publikum quittierte die Darbietungen sogar mit Füßetrampeln, wie etwa Ronaldo Navarros 'Generalprobe eines Konzertes', die gleichsam stellvertretend für die Nummern des Abends stehen kann: Bremerhaven ist kräftig auf dem Wege zu einem emanzipatorischen Tanztheater mit beträchtlichen Brandbreite, die bis an die Grenze des Schauspiels reicht. [...]
[...] fällt das solistische Tanztheater 'Generalprobe eines Konzertes' nach Musik etwa von Rachmaninow und individuellen Klavierinterpretationen. Die gezielt ausgesuchten Musikvorlagen sind überhaupt ein integrierender und deutlich charakterisierender Bestandteil des Abends. Navarro bietet gleichsam ein modernes Tanztheater-Gesamtkunstwerk aus unkonventionellen Schritfolgen und skurilen Bewegungsabläufen, existentiellem Text (Nietzsche und ganz ungewohnt komischer Fußarbeiten. Seine Pantomime angesichts der psychologischen Hürden des bevorstehenden Konzerts trägt fast kafkaeske Züge. [...]


Foyer – Das Kulturjournal für Bremen und Nordwesten
Nr. 23 – 15. Januar 1998

Ronaldo Navarro, vor 30 Jahren in Brasilien geboren, wo er auch seine Tanzausbildung erhielt, verließ sein Heimatland im Alter von 25 Jahren, um neue Horizonte und Erfahrungen zu sammeln. „Ich entschied mich, nach Europa zu kommen, denn hier ist die Herkunft der westlichen Kultur“, sagt der Tänzer, der seit 1993 beim Stadttheater Bremerhaven beschäftigt ist und wichtige Rollen in den Ballettproduktionen tanzte, außerdem in Sprechrollen bei Operetten und Musicals zu erleben war. Zur Zeit ist Navarro in der West Side Story“ im Theater am Goetheplatz in Bremen engagiert. Am 27. Februar wird er in Bremerhaven einen eigenen Soloabend bestreiten. „Generalprobe eines Konzertes“, so der Titel des Tanztheaterstücks von und mit Ronaldo Navarro, war schon einmal auf der Bühne, und zwar als begeistert gefeierte Kurzfassung bei der Vorstellung „Junge Choreographen“ im Juli 1995 im Kleinen Haus des Stadttheaters Bremerhaven.
Die komplette Version von „Generalprobe eines Konzertes“ nach Musik unter anderem von Richard Strauss („Also sprach Zarathustra“) hat am 27.Februar, 20 Uhr, Premiere. Uraufführungsort ist das Theater im Fischereihafen in Bremerhaven.


Bremer – Die Stadtillustrierte
(Juni 1998)

Man stelle sich mal vor: Ein Dirigent kommt kurz auf die Bühne. Aber nichts und niemand ist da. Plötzlich ertönt der majestätische Beginn von Strauß‘ ‚Also sprach Zarathustra‘. Der Dirigent versenkt sich in Gedanken über Nietzsche und hebt dabei total ab, bis er völlig vergißt, weshalb er eigentlich gekommen war. Er steigert sich in wilde Tänze und verachtet immer mehr die jämmerlichen Partituren, denen er sich opferte, um überleben zu können.
Aus Musik von Strauß, Moszkowski, Rachmaninow, Perry und Gerrard und Texten von Nietzsche hat der brasilianische Tänzer Ronaldo Navarro ein äußerst spannendes Stück Solo-Tanztheater gemacht. Die neue 75minütigen Kompletversion ist nun endlich zu erleben – zunächst in Bremerhaven, hoffentlich bald auch in Bremen."


Anspruchsvolles Festival
(Ballett Journal - Das Tanzarchiv - Nr. 2 - 1. April. 1999)

Jubiläumveranstaltungen in Bremen und Bremerhaven
Bremen - Der "Bremer Tanzherbst" - aus Dispositionsgründen diesmal in den Winter gerutscht - koppelte sein 10jähriges Jubiläum mit dem 30jährigen des Bremer Tanztheaters. Eine Festival-Thematik ergab sich wie von selbst: Kontrast und Dialog zwischen dem deutschen Tanztheater mit seinem Ausdruckswillen und der ursprünglich vom abstrakten amerikanischen "postmodern dance" beeinflußten europäischen Tanzmoderne.
[...] Neben dem Tanztheater-Duo Susanne Linke/Urs Dietrich ist die freie Bremer Tanzszene schon immer besonders stark in den Tanzherbst eingebunden. [...] Von den mitwirkenden Bremer Choreographen, die immerhin drei Abendvorstellungen bestücken konnten, gefielen besonders Ronaldo Navarro mit seinem exotisch-meditativen Solo "Demersum in Aeternum" [...]"


Tanzfantasien als Spiele mit der Zeit
(Nordsee Zeitung - Nr. 25 - 31. Januar 2000)

"Augenblick Frist Gegenwart", im Tanztheaterabend von Claudia Hanfgarn und Ronaldo Navarro im Pferdstall. Die Tänzer arbeiten zum ersten Mal als Solisten zusammen. Im Auftrag der Bremer "Galerie des Westens" hatten sie eine Produktion entwickelt, die sie nun auch in Bremerhaven vorgestellt haben.
"Zeit" war als Thema vorgegeben. Die Zeit ist in den drei Teilen nicht nur das wiederholte Ticken der Uhr, die Zeit ist der Lauf des Lebens von der Kindheit bis zum Tod, wofür der Brasilianer Navarro im ersten Solo eine ironisch-verspielte, mit Slapstick-Elementen versetzte Form findet. Er lässt seine puppenhaft-eckig bewegte Figur rote Tücher vom Boden heben, unter denen alterstypische Gegenstände - vom Schnuller über das Präservativ zum Kreuz - die Zeitsprünge andeuten; er grummelt, stöhnt und murmelt bis zum hörbar verständlichen "morte", "finito", er zeigte die Angst vor dem Ende, die auch nicht verschwindet,wenn er vergeblich die Gegenstände in eine neue Ordnung bringen will.
Der tanzender Mann scheint getrieben von fremder Gewalt, alles immer schnelle Drehen und Trampeln ist nutzlos. Am Ende bleibt nicht "Ewigkeit", so der Titel des Beitrags, sondern der Blick auf die Armbanduhr am Boden.
[...]
Am Ende des Abends nach der Melancholie die große Leichtigkeit: Eine Improvisation zu zweit, ein Tanz als Annäherung zweier Verliebter, die Zeit steht still, "Tu es!" heißt das Stück, und sie tun es zu wunderbar passender Musik. Zwei Menschen, die flirten, umeinander tänzeln, sich betasten, ins Ohr flüstern, schüchterne Berührungen, die allmählich mutiger werden, bis zum ersten kurzen Kuss, ein graziöses Sehnsuchtspiel mit einer einzigen Regel: aufeinander achten.
Hanfgarn und Navarro erzählen in einfachen Formen, der kleine Raum erlaubt ihnen keine großen Sprüngen, aber er passt atmosphärisch zu den Gechichten und Bildern, die beide erst als Solisten und dann als Paar lebendig und kraftvoll vorführen."

Zeichen verlorener Unschuld
(General Anzeiger Bonn - 24. Januar 2004)

Das Bonner Schauspiel setzt seine Werkstatt-Reihe "Reality Bit(e)s" fort: Mit Anja Brunsbachs Stück "Remembering America"

Von Elisabeth Einecke-Klövekorn

Bonn. Nein, die USA existieren nicht nur in der Erinnerung, sondern sind ein konkreter, exemplarischer Konfliktschauplatz, auch wenn die drei grauen, lemurenartigen Wesen in "Remembering America" fast glauben machen könnten, dass all die hohen Werte der "Bill of Rights" aus dem aufgeklärten 18. Jahrhundert am Beginn des 21. nur noch Makulatur seien.
[...]
Da hockt am Anfang ein junger Mann (Ronaldo Navarro, der leider nur als Schauspieler - und guter Sprecher - zum Zuge kommt, obwohl er als Tänzer viel mehr zu bieten hätte) auf der Raum füllenden Plastikfolie mit Stars and Stripes, von der das Rot langsam abblättert und sich wie vertrocknetes Blut an allen Körpern festsetzt.
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Ohren betäubender Lärm wie von Flugzeugmotoren weckt Erinnerungen an den 11. September. Wie viel schreckliche Legenden verträgt ein zur Nation erhobenes, vielleicht nur literarisches Konstrukt?
[...]
Dass ihre durchaus nicht eindimensionale Botschaft dem alten Europa was zu sagen hat, bewies der Premierenbeifall in der ausverkauften Werkstatt des Theaters Bonn.