Kurzfilme

ROUGE

Deutschland (Bonn) 2005
5’50 / Digital-DV / Farbe / ohne Text
Spielfilm-Komödie

Sinopsis:

Eine Frau steht im Flur eines Kellers. Wer sie ist, weiss keiner. Sie besitzt eine geheimnisvolle Kraft und überrascht die Leute, die vorbeigehen. Mit voller Sinnlichkeit und Leidenschaft küsst sie alle. Warum tut sie das? Weiss auch keiner. Es ist auch egal. Jeder kann denken was er möchte. Erotisch, wahnsinnig, witzig.

Drehbuch, Regie, Kamera und Schnitt: Ronaldo Navarro
Musik : Rachmaninov
Rita Lee
Ensemble: Agnieszka Samuel
Przemyslaw Kubicki
Valenti Rocamora i Tora
Tania Oetterli
Linda Ryser
Michael Khaleys
Annabel Cuny
Bibiana Jimenez
Ricardo Diaz
Claudio Frasseto
Francina Borges

TELEFONISCHE EINSAMKEIT

England (London)-Deutschland (Bonn) 2005
6’38" / Digital-DV / Farbe / ohne Text
Kunstfilm

Sinopsis:

Man stelle sich vor, wenn eine Telefonzelle sprechen könnte: "Mit mir wird immer weniger gesprochen. Das Leben bewegt sich nur um mich herum und ich bleibe hier stumm. Ich möchte unbedingt ein Handy werden!"

Drehbuch, Regie, Kamera und Schnitt: Ronaldo Navarro
Musik : Adolfe Adam
Ensemble: Przemyslaw Kubicki
Valenti Rocamora i Tora
Andreas Schneider
Francina Borges

SILÊNCIO

Finnland (Helsinki) - Deutschland (Bonn) 2004-5
27’54" / Digital-DV / Farbe / ohne-Text
Spielfilm-Drama

Sinopsis:

Nach einem schweren Unfall lag ein Künstler für eine lange Zeit im Koma und nachdem er erwachte, konnte er nicht mehr sprechen. Hier beginnt der Film, als er wieder zu Hause ist und sich bemüht, wieder auf die Beine zu kommen. Ein Teil seiner Behandlung ist, in die geheimnisvolle Welt der Träume einzutauchen.

Übersetzung des Textes, der am Ende des Filmes zu sehen ist:

"Öffne den Mund, nur wenn das, was Du zu sagen hast, wertvoller ist als die Stille."

(Spruch der Gelehrten)

Drehbuch, Regie, Kamera und Schnitt: Ronaldo Navarro
Musik : Claude Debussy
Sergej Rachmaninov
Ensemble: Ronaldo Navarro
Przemyslaw Kubicki
Annabel Cuny
Bibiana Jimenez
Agnieszka Samuel
Tanja Oetterli

LULUZINHA

Deutschland (Bonn-Düsseldorf) 2005
8’40" / Digital-DV / Farbe / ohne Text
Spielfilm-Komödie

Sinopsis:

Eine Dame ist in Eile. Sie trägt einen schweren Koffer und steigt in einen Zug ein. Das Ziel ist der Düsseldorfer Flughafen. Warum die Eile? Wird sie den Flug verpassen? Nein, sie hat etwas sehr wichtiges zu erledigen. Es geht um ihre Weiblichkeit.

Drehbuch, Regie, Kamera und Schnitt: Ronaldo Navarro
Musik : Ernesto Nazareth
Ensemble: Francina Borges

GELB

Deutschland (Bonn) 2005
9’41" / Digital-DV / Farbe / ohne Text
Spielfilm-Komödie

Sinopsis:

Er läuft in der Stadt herum. Er hat ein gelbes T-shirt an. Er nervt die Leute mit seinem gelben Spielzeug. Ist er verrückt? Vielleicht ja, aber er ist nicht der einzige... Lustig.

Drehbuch, Regie, Kamera und Schnitt: Ronaldo Navarro
Musik : Villa-Lobos
Altamiro Carrilho
Ensemble: Przemyslaw Kubicki
Bibiana Jimenez
Daniela Greverath
Pedro Malinovski
Ricardo Diaz
Agnieszka Samuel
Monika Kodato
Ronaldo Navarro

B...

Budapest 2005
20’06" / Digital-DV / Farbe / ohne Text
Kunstfilm

Sinopsis:

Impressionen aus Budapest.
Abstrakt. Poetisch. Musikalisch. Witzig. Und wieder poetisch.

Drehbuch, Kamera und Schnitt: Ronaldo Navarro
Musik : Bela Bartók
Franz Liszt

Vorführungen:

01. Juni 2006 Theater der Stadt Bonn (Werksattbühne)
HEXAGON - Sechs Kurzfilme
"Rouge" "Telefonische Einsamkeit" "Silêncio" "Luluzinha" "Gelb" "B..."
22. Mai 2007 Theater im Ballsaal- Bonn
HEXAGON - Sechs Kurzfilme

Meinung der Zuschauer / Presse

Farben und Gefühle im Sechserpack

Von Andreas J. Schneider

Der Brasilianer Ronaldo Navarro stellt unter dem Titel "HEXAGON" sein Talent als Filmemacher von No-Budget-Filmen unter Beweis.

Bonn: Wenn der Tänzer Ronaldo Navarro in den Theaterferien auf Reisen ging, dann lag seine Videokamera oft mit im Gepäck. Sein Blick auf so unterschiedliche europäische Metropolen wie London, Helsinki und Budapest, so wie sein kreatives Verständnis vom Dramaturgie im Zusammenspiel mit Musik und Effekten haben in den letzten Jahren seines im Juni auslaufenden Bonner Engagements beim Choreographischen Theater Johann Kresnik zu bislang sechs Kurzfilmen geführt, die nun zum ersten Mal vollständig auf der Werkstattbühne im Bonner Opernhaus einem interessierten Publikum vorgestellt wurden.

Dabei steht Navarros bisherige Arbeit als Tänzer weniger im Mittelpunkt seiner filmischen Gehversuche, obwohl er bei den Filmdarstellern auf viele seiner talentierten Kollegen vom Tanztheater zurückgriff. Dass dabei aber keine "Tanzfilme" im allgemeinen Verständnis entstanden, sondern neben skurrilen und witzigen auch nachdenkliche filmische Portraits, ist dem Filmpionier - der neben der Verantwortung für Kamera, Schnitt, Drehbuch auch als Darsteller auftritt- hoch anzurechnen.

Schon im ersten Beitrag des Abends, dem knapp sechs Minuten langen Film "ROUGE", wird Navarros Faible für skurrile Ideen deutlich: eine schöne Frau (Agnieszka Samuel) schminkt sich den Mund mit einem knallroten Lippenstift und lockt damit ahnungslose Mitmenschen beiderlei Geschlechts in eine Kussfalle. Und die Opfer lassen es sich, nach anfänglichem Protest, gerne gefallen und gehen, meist glücklich verändert, von dannen. Vom heftigen Knutschen bis zum angedeuteten Halsbiss entgeht dem verführerischen Vamp niemand, bis sie am Ende ihre Meisterin findet und der Spuk beendet scheint.

Das hier neben den professionellen Tänzern auch Laien mitwirken, gibt Navarros ersten Kontakt mit dem Medium Film die nötige Frische und Spontaneität, die allerdings die technischen Mängel in Beleuchtung und Schnitt nicht ganz wett machen kann.

Technisch bedeutend besser ist da der zweite Film der Reihe geglückt, dem nur wenig längeren Werk "TELEFONISCHE EINSAMKEIT", bei dem, neben eigens mit Darstellern gedrehte Szenen, auch zum ersten Mal Reiseaufnahmen Verwendung fanden. In London hatte Ronaldo Navarro die Idee, sich um den seelischen Zustand von Telefonzellen Gedanken zu machen, die in Zeiten von Handys und Internettelefonie ihre Daseinsberechtigung verloren zu haben scheinen. Einsam und missachtet vom britischen Hauptstadttrubel stehen sie verloren am Straßenrand: allein oder in Gruppen; zusätzlich erniedrigt durch schmierige Telefonsex-Aufkleber im Inneren. Den deutschen Verwandten in der Telekom-Stadt Bonn scheint es, trotz knallig-magentafarbenen Hörer, auch nicht besser zu ergehen: ignoriert, geschlagen und als Urinal missbraucht fristen sie ihr trauriges Dasein. Die Musikuntermalung aus Adolfe Adams Ballett -Y¥Giselle´ liefert den augenzwinkernden Kommentar zu den Bildern, die nur am Ende, beim Blick auf ein zerstörtes britisches Telefonhäuschen an der Bonner Oxfortstraße, ergriffen zu schweigen scheint.

Ganz anders dann der dritte Beitrag, "SILÊNCIO". Hauptdarsteller ist hier Ronaldo Navarro selbst. Er spielt einen Mann (einen Künstler? Sich selbst?), dessen Schlaf immer wieder durch alptraumartige Visionen gestört wird; ein sensibles Nervenbündel, das sich weinend unter kaltem Wasser das Gesicht wäscht, um Erinnerungen und Ängste abzuspülen. Portugiesische Texte werden auf Papier geschrieben, Skulpturen ertastet, Weingläser bis zum Überlaufen gefüllt, ein Laptop fast schon zärtlich liebkost: dem Zuschauer begegnet, untermalt durch Musik von Claude Debussy und Serge Rachmaninov, das Innenleben eines Mannes, der neben Angstzuständen auch in einer kreativen Schaffenskrise zu stecken schein. Außerhalb der Wohnung herrscht Kommunikationslosigkeit, Mitmenschen reagieren verstört auf die Blicke des Mannes, in dessen Augen sich der Wunsch nach Nähe aber nicht verleugnen lässt. Am Ende ist die Barriere überwunden, wodurch bleibt offen, was dem Film seine rätselhafte Stimmung erhält.

Auch hier verwendet Ronaldo Navarro Spielszenen mit Beobachtungen, die er bei einem Besuch in Helsinki machte. Diese Sequenzen zeigen, wie schnell sich der Regisseur mit den Möglichkeiten den modernen Schnitt- und Bearbeitungsmethoden vertraut gemacht hat, allerdings wirken sie hier nicht verbindend sondern eher wie ein Fremdkörper, der, trotz aller Raffinessen, nicht zum komplexen Thema passen mag und diesem intimen und persönlichen Film nur auf unnötige 28 Minuten aufbläht.

Beschwingt und locker geht es dann in die zweite Halbzeit des Abends. Der knapp neun Minuten lange Film "LULUZINHA" (bedeutet soviel wie "Luluchen" oder "Die kleine Lulu") kennt ebenfalls nur einen Hauptdarsteller: Francina Borges! Die Brasilianerin ist in diesem unwiderstehlich-komischen Kabinettstück die Grand Dame, Diva und das naive Gör in Personalunion und brachte das Publikum gehörig zum Schmunzeln. Dabei ist die Idee hinter dieser One-Woman-Show so wunderbar einfach: Luluzinha wird mit ihrem Gepäck auf ihrem Weg zum Düsseldorfer Flughafen begleitet und lernt dabei die Tücken der Reise kennen. Wie die seltsame Auffassung der Deutschen Bahn zum Thema Pünktlichkeit und die verwirrenden Hinweistafeln am Airport. Dazwischen ist genug Raum, den perfekten Look zu überprüfen, verstohlen an Süßigkeiten zu knabbern, die Sonnenbrille geschickt zu platzieren und -trotz aller Hektik- noch ein Auge für die modischen Auslagen der Flughafenboutique zu haben. Und kann eine Frau von Welt verreisen, ohne noch rechtzeitig die Fußnägel zu lackieren? Der liebevoll ironische Blick der Kamera, zusammen mit der beschwingten Musik des Brasilianers Ernesto Nazareth lieferten perfekte Unterhaltung auf hohem Niveau, das auch der folgende, fünfte Film "GELB" halten konnte:

Wie schon bei "ROUGE" reizt Ronaldo Navarro hier eine skurrile Idee trefflich aus: ein Mann (gespielt vom wunderbaren Przemyslaw Kubicki) harmoniert nicht nur durch passend farbige Garderobe mit seinen neuen "tierischen" Freund: einem gelben Spielzeugvogel, der, festgebunden an einem Stock, zwitschernd durch die Stadt getragen wird. Und da die Mitmenschen dem ungleichen Paar nur wenig Verständnis aufbringen, indentifiziert sich das "Herrchen" eben bis zur totalen Selbstverleugnung mit seinem Partner: um am Ende buchstäblich auf den Hund zu kommen. Das Publikum dankte dem Erzähler und den zahlreichen Darstellern mit wahren Lachsalven und Szenenapplaus!

Zum Abschluss der Filmreihe brachte Ronaldo Navarro dann noch eine filmische Hommage an die Stadt Budapest mit dem einfachen Titel "B...". Dabei wollte der Regisseur wohl weniger die touristischen Highlights der Donaumetropole herausarbeiten, sondern eher einen Blick hinter die Fassaden werfen. Dabei ist Navarros Blick erstaunlich vielschichtig und überraschend. Er versteht es gekonnt, mit den Sinnen seines Publikums zu spielen und es mit den Bildern zu verbinden. Und tatsächlich bietet sich dem Zuschauer zunächst eine Großstadt in tristem Grau: Neben und Regen in Zeitlupe, dabei kongenial untermalt mit Musik von Bela Bartók. Plötzlich dann der Wechsel: geschäftige Menschen auf Treppenstufen. Der tägliche Verkehr, gespiegelt in Schaufenstern mit unterschiedlichsten Auslagen. Passanten bei der Zigarettenpause und Bauarbeiter, die mit Schaufel und Bagger - nun zur perlenden Musik von Franz Liszt- ein wahres Alltagsballett auf die Straße bringen. Ein Springbrunnen, der seinem Namen alle Ehre macht, spuckt Wasser im Takt der Musik. Und doch bleiben bei aller Verspieltheit immer die Menschen im Fokus des Films, ohne die alle Städte nur seelenlose Hüllen ohne Leben wären: in Ungarn und anderswo. Ein bemerkenswerter Schlusspunkt eines vielseitigen Filmabends eines begabten Künstlers, der eine baldige Wiederholung verdient hätte. Das sah das heftig klatschende Publikum beim Schlussapplaus auch so.

Bonn, 5. Juni. 2006

MET.A.PA. - Drei Tanzsolo-filme von Ronaldo Navarro

Die drei Kurzfilme führen den Zuschauer zu einem intimen visuellen Kontakt mit seinen Figuren. Die tänzerischen Handlungen sind jeweils durch das Verhältnis des Tänzers zu seinem spezifischen Medium geprägt (Alu-Folie, Wasser und Klopapier). Poesie, feiner Humor, Sensibilität und Empfindsamkeit. Allmähliche Überblendung von einer Szene in die nächste sowie exakte Synchronisation von Schnitt und Musik.

1) METallium

Mit Tom Baert / Musik: Digitalbearbeitung, Franz Liszt, Sergej Rachmaninov / 14’55"

"Holz oder Metall? Natur oder Kunststoff? Er packt die staubigen Oberflächen mit Alufolie ein und versucht ein wenig Glanz ins Leben zu bringen."


2) Aqua

Mit Ronaldo Navarro / Musik: Maurice Ravel (Tzigane) / 15’32"

"Erfrischend. Reinigend. Lebenselixier. Selbst wenn es nicht sichtbar ist, H²O ist immer anwesend. Aussen, in den mikroskopischen Tropfen der Feuchtigkeit der Luft. Innen, in unserem Blut."


3) PApyrus

Mit Alexandra Kunz / Musik: J.S.Bach - Digitalbearbeitung / 15’32"

"Man bezahlt einen hohen Preis für Verschwendung."


Uraufführung beim "Zweiten Internationalen Bonner Tanzsolo Festival" Am 18.Januar 2009 - 20 Uhr im Theater im Ballsaal - Bonn

"(...)Drei meditative Kurzfilme(...) Navarros Kamera ist ganz dicht dran, verdeutlich mit teils übereinandergelegten Bildern den Glanz und die Textur des Materials, zeigt mit Nahaufnahme von Händen und Füßen, was diese mit Alufolie alles anstellen können. Ein verblüffend einfaches, aber kreatives und sinnliches Experiment, das zweifelsohne Faszination auf den Betrachter ausübt (...)" General Anzeiger - Bonn, 20. Januar 2009